Thema "Naturschutz"
Unsere Ziele
Im Naturparkkonzept des Jahres 2019 haben wir uns vorgenommen, die Diversität der Kulturlandschaft des Wienerwalds zu verbessern, indem wir einerseits zusätzliche Lebensräume und Rückzugsorte für schutzbedürftig eingestufte Tiere und Pflanzen aufbauen, und andererseits Natur-Pufferzonen im Randbereich der Stadt etablieren. Weiters sollte der Naturpark durch naturnahe Bestandsumwandlungen besser an den Klimawandel angepasst werden. Leitlinie für die Umsetzung dieser Ziele war ein von externen Experten erstellter Maßnahmenplan zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Darin wurde vorgeschlagen, (a) besonnte Kleingewässer für Gelbbauchunken, Kammmolche und andere Amphibien zu etablieren, (b) mehrere jeweils ca. 1 ha große Altholzinseln mit alten Einzelbäumen und starkem, stehenden Totholz auszuweisen und damit für Eichenbock (Käfer), Spechte und Hohltaube einen passenden Lebensraum anzubieten, (c) die Schöffelsteinwiese wiederherzustellen, (d) mehrere besonnte Totholzhaufen zur Verbesserung des Lebensraums von Äskulapnattern und Zauneidechsen zu errichten und (e) an mehreren Standorten die Pimpernuss auszusetzen und zu fördern. Weiters sollte im Schintergraben durch Beauftragung externer Experten eine Nachsuche nach Steinkrebsen und der Libellenart „Große Quelljungfer“ gestartet werden.
Gemäß Arbeitsprogramm 2023 war unser vorrangiges Ziel im Naturschutz, die Erkennbarkeit des Naturparkgebiets besser sichtbar zu machen und damit in der Besucherwahrnehmung die Wichtigkeit des Naturparks als Landschaftsschutzgebiet zu erhöhen. Es ist dies der Folgerungen unserer Arbeiten zum Thema Vandalismusprävention im Jahr 2021, bei denen sich herausgestellt hat, dass es wichtig für die Wahrnehmung und Wertschätzung von Natur ist, wenn Besucher:innen schon beim Zugang zum Naturpark bewusst wahrnehmen können, dass sie ab jetzt selbst ein Teil der Natur sind. Wir haben dieses Ziel mit einer generellen besseren Besucherlenkung verknüpft.
Unsere Leistungen 2023
Für einen großen Teil unserer Arbeitsinhalte zum Thema Naturschutz hatten wir im September 2021 bei der Naturschutzabteilung des Landes NÖ ein Projekt zur Weiterentwicklung der Lebensräume im Naturpark eingereicht. Wir wollten ein Netzwerk an kleinen stehenden Gewässern im Naturpark erweitern, mehr Brutmöglichkeiten für gefährdete Arten schaffen und die Renaturierung der Schöffelsteinwiese vorantreiben. Das Land NÖ hat sich allerdings bis Ende 2023 keinen positive Rückmeldung gegeben, vermutlich weil diese Projekteinreichung auch die Errichtung einer Waldklasse in Deutschwald samt den dazugehörigen Außenanlagen beinhaltete. Wir haben daher im Dezember 2023 die Naturschutz-Themen aus unserem Paket herausgelöst und neu eingereicht; diese neue Einreichung wurde schließlich im Jänner 2024 genehmigt, sodass wir die geplanten Naturschutzarbeiten im Jahr 2024 umsetzen können. Dennoch haben wir für die Ziele (a) bis (e) gemäß Naturparkkonzept in den Vorjahren schon viele Vorarbeiten geleistet.
Für der Nachsuche im Schintergraben haben wir eine Biologiestudentin der Univ. Wien gefunden, die diese Nachsuche im Zuge ihrer Masterarbeit im Sommer 2023 begonnen hatte, aber aus universitär-administrativen Gründen die Arbeit abbrechen musste. Wir werden daher die Nachsuche auf das Jahr 2024 verschieben.
Nachhaltige Waldbewirtschaftung
Das Jahr 2023 war das dritte Jahr, in dem wir die vom Gemeinderat beschlossenen Leitlinien für nachhaltige Waldnutzung umgesetzt haben. Als maximale Entnahme wurde damals ein Zielwert von etwa 100 fm pro Jahr festgelegt, was etwa 1/3 der im bisherigen Wirtschaftsplan vorgegebenen nachhaltigen Entnahmemenge entspricht. Schon im Jahr 2021 wurde die Holzentnahme auf 135 fm zurückgefahren und im Jahr 2022 auf nur 10 fm reduziert; im Jahr 2023 wurden nun etwa 27 fm Holz (Buche, Hainbuchen & Eiche), das bei der von der BH vorgeschriebenen Freistellung einer Äsungsfläche im Rehgatter angefallen ist, entnommen.
Über die ersten 3 Jahre der neuen Bewirtschaftung wurden also etwa 160 fm Holz entnommen, was weniger als 18 % der üblicherweise forstlich nachhaltigen Entnahmemenge von 900 fm ist. Damit sind knapp 740 fm als „stehendes Holz“ im Wald verblieben, was einer rechnerischen CO2-Speicherung von zumindest 600 t entspricht. Wenn man aber bedenkt, dass sich mit mehr und älteren Bäumen auch die CO2-Speicherung im Boden deutlich erhöht, war die gesamte CO2-Speicherung vermutlich weitaus größer.
In diesem Zusammenhang haben wir im Herbst 2023 für den Naturparkvorstand und Gemeinderäte eine Exkursion in den Lainzer Tiergarten organisiert, bei der demonstriert wurde, wie eine geringere Nutzung und eine Förderung von Altbäumen zum Klimaschutz beitragen. Wir planen, im Sommer 2024 einen weiteren solchen Termin anzubieten.
Besucherlenkung zur besseren Wahrnehmung von Natur
Zur Besucherlenkung haben wir die wichtigsten Zugänge zum Naturparkgebiet neu beschildert und damit die Sichtbarkeit des Naturschutzgebiets hervorgehoben.
Entlang der Gehegezäunung an der B44 wurde ein großes Banner im neuen Naturpark-Design angebracht; für zwei von der BH St. Pölten genehmigte Banner auf beiden Seiten der B44-Fußgängerbrücke müssen wir erst noch mit dem Bauamt der Stadtgemeinde die beste Art der Befestigung abstimmen. Für beide Anschaffungen wurden ausschließlich Purkersdorfer Firmen beauftragt.
Die vom Biosphärenpark Wienerwald (BPWW) zugesagte Beschilderung für die an den Naturpark angrenzenden Flächen der Kernzone konnte leider bisher nicht umgesetzt werden. Der BPWW hat aber versichert, dass dies bald nachgeholt wird.
Vernetzung mit Europäischen Schutzgebieten
Zur besseren Vernetzung mit den Leiter:innen anderer europäischer Schutzgebiete konnte GF Orosel an einem Fortbildungskurs der European Nature Academy teilnehmen, an dem „Best Practice“-Beispiele für eine gutes Schutzgebietsmanagement ausgetauscht und diskutiert wurden.
Erweiterung der Trittsteinbiotope
Bereits im Jahr 2022 hatten der Naturpark und die Stadtgemeinde mit dem Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald (BFW) entlang des ehemaligen „Danebenwegs“ 2 Trittsteinbiotope für eine Laufzeit von 10 Jahre vereinbart. Derartige Biotope sind wichtige Refugien für viele schützenswerte Arten und tragen zur Vernetzung von Lebensräumen sowie zur Ausbreitung von Arten mit begrenzten Reichweiten bei. Wir haben im Vorjahr zwei weitere Flächen so weit vorbereitet, dass wir diese als zusätzliche Trittsteinbiotope beantragen konnten. Für das Jahr 2024 erwarten wir, dass diese Flächen vom BFW fachlich begutachtet und akzeptiert werden.
Wildzählung mit Drohnenflügen
Der Naturpark unterstützte das Forschungsprojekt BAMBI der FH Hagenberg, bei welchem eine Methode zur für die Zählung von Wildtieren in dicht belaubten Waldgebieten mittels Infrarot-Kameras auf Drohnen entwickelt wird. Diese Methode ist sowohl für die Erfassung von jagdbarem Wild als auch für die Zählung von geschützten Säugetieren (z.B. Wolf, Luchs) in Naturschutzgebieten wichtig. Im Zuge des Projekts hat die Firma „SpektakulAir“ Infrarotbilder über unseren Wildtiergehegen gemacht, um Messdaten mit der Anzahl der Tiere im Gehege kalibrieren zu können. Im Zuge des Projekts haben wir aktuelle Luftbilder des gesamten Schutzgebietes bekommen, die wir für weiteren Naturschutzprojekte gut brauchen können.
Verbesserte Waldfunktion für Klimaanpassung
In Abstimmung mit unserem Berater für nachhaltige Waldwirtschaft und Wildgatter, Oberförster Rubik haben wir entlang der Wanderwege mehrere „Minibiotope“ angelegt, indem wir Möglichkeiten geschaffen haben, dass sich dort Regenwasser sammelt. Außerdem haben wir durch das regelmäßige Freilegen von querenden Abflussrinnen entlang stark frequentierter Wanderwege im Naturpark zum verbesserten Abfließen des Regenwassers in den Waldboden beigetragen und die Wasserspeicherung (und damit die Wasserversorgung bei Trockenperioden) verbessert.
An ausgewählten Standorten haben wir neben anderen regionalen Gehölzen zusätzlich weitere Naturparkpflanzen (z.B. Pimpernuss) gesetzt. Zudem konnten Standortbestimmungen von wertvollen Waldgehölzen, wie der Schlehe oder Tanne, insbesondere entlang des Naturerlebnis- oder Buchenweges und beim Naturparkzentrum durchgeführt werden. Basierend auf diesen Erhebungen sollen künftig weitere Standorte für diese regionalen und heimischen Waldgehölze oder Veteranenbäumen etablieren werden.