Der Naturpark Purkersdorf hat sich vom einfachen Lehrpfad zu einem professionell geführten Schutzgebiet mit Fokus auf Bildung und "sinnlichem Naturerleben" entwickelt.
Der Naturpark Purkersdorf hat sich vom einfachen Lehrpfad zu einem professionell geführten Schutzgebiet mit Fokus auf Bildung und "sinnlichem Naturerleben" entwickelt.
Naturlehrpfad der Stadtgemeinde
1968 hat die Gemeinde Purkersdorf auf Initiative des damaligen Stadtgärtners Josef Elsinger (1923-1998) einen Naturlehrpfad entlang des Wienflusses bis zu einem Waldspielplatz in Deutschwald eingerichtet, einen gepflegten Waldweg, der bei der Bevölkerung und bei vielen Wienerwaldwanderern recht beliebt war.
Entlang des Wegs waren Holztafeln mit den Namen der Bäume und Sträucher angebracht, außerdem Keramiktafeln mit farbigen Darstellungen von Blumen, Insekten, und Pilzen, ausgeführt von der Wiener Künstlerin Anni Eisenmenger.
Ein Jahr später wurde ein zweiter Teil des Lehrpfads, der an den Wildgehegen vorbei und rund um den Schöffelstein wieder zurück zur Kellerwiese führt, ergänzt, wobei Alfred Czernoch, damaliger Gemeinderat der KPÖ und Finanzdirektor der Gemeinde sowie Schwager von Josef Elsinger, eine geologische Schau eingerichtet hat.
Im Frühjahr 1971 ist ein 32-seitiger Führer zum Naturlehrpfad mit Kurzangaben über die einzelnen Naturobjekte, die am Lehrpfad zu sehen sind, erschienen.
Als „Informationszentrum“ hat die Gemeinde 1974 in Deutschwald das Holzgebäude „Wienerwaldhaus“ errichten lassen, das der damalige Leiter des Heimatmuseums (und spätere Bürgermeister) Franz Matzka als Außenstelle des Heimatmuseums 1974 mit Informationen über die Geschichte des Wienerwalds eingerichtet hat, angefangen vom Deutschen Ritterorden über das „k.k. Waldamt“ und die Wienerwaldbauern bis zu Josef Schöffel.
Naturpark Sandstein-Wienerwald
Mit Unterstützung des damaligen Naturschutzlandesrats Hans Czettel wurde schließlich das ganze Gebiet des Purkersdorfer Gemeindewalds plus einiger Randzonen zum "Naturpark Sandsteinwienerwald" erklärt und am 26. April 1975 (dem damaligen österreichischen Tag des Waldes) durch Landeshauptmann Andreas Maurer eröffnet.
Als Rechtsträger des Naturparks hat sich der Verein "Naturpark Purkersdorf Sandsteinwienerwald" konstituiert. Stadtgärtner Elsinger, auf dessen grundlegenden Vorarbeiten und Ideen der Naturpark aufgebaut ist, wurde im selben Jahr für seine Verdienste mit der Silbernen Verdienstmedaille des Landes NÖ ausgezeichnet, danach hat ihm das Land Niederösterreich 1985 den Josef Schöffel-Förderungspreis und 1995 das NÖ Naturpark-Ehrenzeichen verliehen.
Der Gründungsobmann des Naturparkvereins und damalige Vizebürgermeister Dr Kurt Schlintner hat den Ausbau des Naturparks schnell und beherzt vorangetrieben: nachdem schon 1975 die Stadtgemeinde als besondere Attraktion ein Hirschgehege eingerichtet hatte, wurden 1976 mit Förderungen des Landes NÖ ein Wildschweingehege und eine Fasanvoliere sowie der Säckinger-Steg über den Wienfluss als neuer Zugang vom Ortszentrum und der Bahnstationen gebaut. Und 1978 wurde als weithin sichtbares Wahrzeichen die 27 m hohe Aussichtswarte auf der Rudolfshöhe errichtet, die einen weiten Blick über Wien und den Wienerwald bis zu den Voralpen erlaubt. Diese wichtigen Investitionen wurden zum Großteil vom Land NÖ sowie von der Stadtgemeinde getragen.
Ab 1980 wurde der Naturpark mit den Haustiergehegen (mit Schafen, Ziegen, Esel und Ponys) auf der Kellerwiese erweitert; 1986 wurde die Naturparkbrücke über die B44 gebaut, damit von der Bahnstation ein einfacher und sicherer Zugang möglich wurde.
Der “sinnliche” Naturpark Purkersdorf
Anfang 2000 hat der damalige Umweltstadtrat Dr Rudolf Orthofer die Leitung des Naturparks übernommen und mit DI Gabriela Orosel als Programm-Koordinatorin die Professionalisierung des Naturparkmanagements eingeleitet.
Dadurch war es bald möglich, Drittmittel-Förderprojekte einzuwerben, mit denen der Naturpark weiter ausgebaut werden konnte. Schwerpunkt der Weiterentwicklung war das inhaltliche Angebot, insbesondere zum Thema „Bildung“, da sich ein zunehmendes Interesse von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen an guter Waldpädagogik gezeigt hat. Ebenso fruchtbar erwies sich die enge Abstimmung des Programm-Angebots mit dem Naturpark Sparbach.
Im Jahr 2005 wurde ein Teil des Naturlehrpfads so umgebaut, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung des Sehvermögens ein intensives Naturerlebnis haben können. Dabei hat sich gezeigt, dass auch Menschen mit gutem Sehvermögen profitieren, wenn sie die Möglichkeit haben, die Natur mit anderen als nur dem Sehsinn zu erleben. Diese Erkenntnis hat uns die Augen dafür geöffnet, wie wichtig es ist, dass unsere Besucher ein Naturerlebnis „mit allen Sinnen“ haben können und durch das sinnliche Entdecken der Natur den persönlich erlebbaren Naturschutz stärker wahrnehmen. Damit hat sich der Naturpark Purkersdorf in Niederösterreich eine einzigartige inhaltliche Position geschaffen.
Kurz darauf wurde der offizielle Name des Naturparks von „Naturpark Sandsteinwienerwald“ auf „Naturpark Purkersdorf“ geändert, damit ein einerseits für die Besucher die Lage und die Auffindbarkeit des Naturparks jederzeit klar ist und andererseits die lokale Verankerung im Bewusstsein der Bevölkerung gestärkt und eine mentale Verknüpfung der Stadt Purkersdorf mit Naturnähe gesetzt wird.
Ab 2015 hat der Naturpark die fachgerechte Betreuung der Feihlerhöhe übernommen, eine zuvor schon beinahe zugewachsene Streuobstwiese im Zentrum von Purkersdorf, die von der Stadtgemeinde rückgewidmet, angekauft und renaturiert wurde. Obwohl die Feihlerhöhe außerhalb des engeren Naturparkgebiets liegt, ist sie eine wunderbare Ergänzung zum Naturpark und wird von vielen Schulen und Erholungssuchenden genutzt. Der Naturpark hat dort eine Bienenstation des Naturpark-Imkers errichtet, mehrere Altholzzellen samt Beobachtungshinweisen angelegt und sorgt für einen naturnahe Sensenmahd unter Einbeziehung von Schulen und Bevölkerung.
Der Naturpark Purkersdorf als Teil der NÖ Naturparkfamilie
Ab 2018 startete die NÖ Naturschutzabteilung eine Naturpark-Qualitätsinitiative, in der Mindeststandards für die Organisation und für die Angebote definiert wurden. Im Zuge dieser Initiative haben sich die NÖ Naturparke, die bis dahin weitgehend unabhängig voneinander agiert hatten zu gemeinsamen Qualitätskriterien bekannt, eine gemeinsame Entwicklungsstrategie beschlossen und einen gemeinsamen Markenauftritt als NÖ Naturparkfamilie umgesetzt.
Die Vorgangsweisen der einzelnen Naturparke wurden jeweils in einem Naturpark-Konzept dokumentiert, die Naturparkgemeinden haben die ideelle und finanzielle Unterstützung „ihrer“ Naturparke per Gemeinderatsbeschluss als „Naturpark-Charta“ festgehalten. Zur Umsetzung der Ziele der Naturparkkonzepte hat die Naturschutzabteilung des Landes NÖ fallweise Projektförderungen bewilligt.
Im Zuge des Konzepts wurde erstmals eine wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme der Naturschutzprioritäten gemacht, bei der sich gezeigt hat, dass es im Naturpark Purkersdorf 4 besonders wertvolle Lebensraumtypen gibt, in denen 26 geschützte Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Rückzugsraum haben; diese Bestandsaufnahme bildet die Basis für alle weiteren Naturschutzmaßnahmen.
Für einen Naturpark im Umfeld der Stadtregion Wien und als einer der meistbesuchten NÖ Naturparke ist es eine Kernaufgabe, die Besucher gut zu empfangen und deren Besuch möglichst einfach zu machen. Die Besucher sollen sich leicht zurechtfinden und gut erholen; sie sollen im Naturpark von und über Natur lernen und damit selbst in ihrem jeweiligen Umfeld offenen Augen für Naturschutz haben. Nicht, indem die Menschen von Natur ausgesperrt werden, will der Naturpark Purkersdorf Natur schützen, sondern indem die Menschen eingeladen werden, Natur zu entdecken und wertzuschätzen.