Purkersdorf - Geschichte und Zukunft eines Ortes im Nahbereich der Großstadt
Wandern kulturhistorisch interessierte Besucher:innen durch die heutige Wienerwaldstadt Purkersdorf, dann begegnen diese auf Schritt und Tritt der internationalen, nationalen und lokalen Geschichte.
Die Bedeutung Purkersdorfs als regionaler, zentraler Ort ergibt sich aus der Lage an dem Zusammenfluss von Wienfluss und Gablitzbach, der zentralen Lage im westlichen Wienerwald, der Lage an der Kreuzung von zwei Reichsstraßen, der teilweise zweifelhaften direkten Anbindung der Stadtmitte an die Eisenbahn und der relativ geringen Entfernung von der Stadtmitte Wiens, die zur Entwicklung der Sommerfrische und des Wohnvorortes führte.
Transitort der Weltgeschichte
Als Transitort der Weltgeschichte, sichtbar durch die ehemalige Poststation am Hauptplatz, bekam Purkersdorf internationale und welthistorische Bedeutung. Alle berühmten und wichtigen Personen, die von Wien nach Westen oder nach Wien reisten, mussten in Purkersdorf Station machen, da hier die Pferde gewechselt wurden. Das Mauthaus am Hauptplatz mit dem Meilenstein ist Zeugnis dieser Zeit. Marie Antoinette und Marie Luise fuhren durch Purkersdorf zur Hochzeit nach Paris, Papst Pius VI. segnete die Bevölkerung am Hauptplatz, Wolfgang A. Mozart begleitete seinen Vater Leopold Mozart 1785 bis Purkersdorf. Am Hauptplatz sahen sich Vater und Sohn zum letzten Mal in ihrem Leben. Napoleon I. verbrachte eine Nacht in Purkersdorf, und das Empfangskomitee des Wiener Kongresses hatte in Purkersdorf seinen Sitz. Erst der Bau der Eisenbahn ließ die Purkersdorfer:innen zu winkenden Zaungästen der Geschichte werden. Das Automobilzeitalter brachte kurzfristig wieder überregionalen Verkehr in den Ort. Am 14. März 1938 wurde auch in Purkersdorf Adolf Hitler jubelnd empfangen und schloss damit zweifelhaft an die Tradition des Ortes an. Die Purkersdorfer:innen waren laut Chronik bekannt dafür, dass sie gerne den berühmten Transitreisenden zujubelten.
Zentrum der Waldverwaltung
Nach dem Bau der Autobahn blieb Purkersdorf der regionale Verkehr, der das Stadtzentrum schwer belastete. Die Unternehmensleitung der Österreichischen Bundesforste kehrte an die Anfänge des Unternehmens in den Purkersdorfer Schlosspark zurück. Die kaiserliche Waldverwaltung hatte bis zur Zeit Maria Theresias ihren Sitz im Purkersdorfer Schloss und war damit das Zentrum des Wienerwaldes. Heute wird von Purkersdorf aus zehn Prozent der österreichischen Staatsfläche verwaltet. Die gute Zusammenarbeit zwischen Stadtgemeinde und Bundesforste lässt das historische grundherrschaftliche Verhältnis vergessen und eröffnet vielfältige Möglichkeiten der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit.
Von Mag. Dr. Christian Matzka - Vizebürgermeister a.D., Kustos des Stadtmuseums