Rotbuche als Teil der Waldgesellschaft

Eine Wald besteht nicht aus einer Ansammlung gleichaltriger und gleichartigen Bäumen, sondern - wie die menschliche Gesellschaft - verschiedensten Baumarten unterschiedlichsten Alters. Die Zusammensetzung hängt von einerseits von natürlichen Standortbedingungen wie Höhenlage, Sonnenexposition, Klima oder Bodenbeschaffenheit ab, aber auch andere menschliche Einflüsse wie etwa die vorrangige Nutzung bestimmter Baumarten und die Nachpflanzung durch andere Baumarten spielen eine große Rolle.

In einer ausgewogenen Waldgesellschaft finden viele verschiedene Baumarten ihren Platz und tragen zum ökologischen Gleichgewicht bei. Die Eiche zum Beispiel, mit ihrem tiefen Wurzelsystem, kann Wasser aus tieferen Bodenschichten erreichen, während die Buche als Flachwurzler die oberflächennahen Wasserschichten nutzt. Diese Vielfalt an Wurzelsystemen hilft, die Ressourcen des Waldbodens optimal zu nutzen und sorgt für ein stabiles Ökosystem.

Welche weitere Baumarten gibt es neben Buche und Hainbuche?

Eiche

Die Eiche ist ein robuster und langlebiger Baum. Im Naturpark Purkersdorf gibt es hauptsächlich Stieleichen und Traubeneichen, die beide sehr widerstandsfähig sind und lange Trockenperioden gut überstehen können. Die ältesten Eichen im Naturpark sind etwa 200 bis 300 Jahre alt, aber in ihrer natürlichen Umgebung können Eichen sogar bis zu 1000 Jahre alt werden.

Die Früchte der Eiche - die Eicheln - sind eine wertvolle Nahrungsquelle für viele Waldtiere. Wildschweine, Hirsche, Eichhörnchen und zahlreiche Vogelarten schätzen die nahrhaften Eicheln. Auch Menschen können Eicheln essen, allerdings sind sie wegen der vielen Gerbstoffe bitter und schwer zu verdauen. Besser ist es, wenn man sie vorher kocht, röstet und püriert. Aus Eichelmehl kann man Brot backen, Eichelkaffee machen oder Eichelmalz für Bier herstellen. So wurden Eicheln in früheren Zeiten oft als Notnahrung verwendet.

Ahorn

Ahornbäume sind für ihre großen, handförmigen Blätter bekannt, die im Herbst in leuchtenden Farben erstrahlen. Diese Blätter tragen zur Nährstoffversorgung des Bodens bei, wenn sie zu Boden fallen und verrotten. Der Ahorn ist in der Lage, sich an unterschiedliche Standortbedingungen anzupassen, sei es auf nährstoffreichen Böden oder in kühleren, feuchteren Lagen.

Die Früchte des Ahorns, die sogenannten "Nasenzwicker" oder Flügelfrüchte, sind nicht nur bei Kindern beliebt, sondern auch eine wichtige Nahrungsquelle für viele Tiere. Vögel und Nagetiere ernähren sich von den Samen, während die Blätter und Rinde des Baumes Futter für verschiedene Insektenarten bieten.

Eine Besonderheit des Ahorns ist der Saft, der im Frühjahr aus den Stämmen gewonnen werden kann. Ahornsirup, der aus dem Saft des Zuckerahorns hergestellt wird, in Nordamerika ist eine beliebte Delikatesse. Auch unsere heimische Ahornarten produzieren einen süßen Saft, der zu Sirup oder Zucker verarbeitet werden könnte! 

Kiefer

Die Kiefer hat im Gegensatz zu Rotbuche, Eiche oder Ahorn keine Blätter, sondern immergrüne, lange Nadeln. Das nächstgelegenste und gleichzeitig nördlichste natürliche Vorkommen ist in den Ostalpen südlich von Wien, also hier im Wienerwald. Die Kiefer ist trockenheits- und frosttolerant mit geringen Ansprüchen an den Boden. Das lässt sie in Zeiten des Klimawandels zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dafür ist die Kiefer aber relativ anfällig gegenüber Krankheitserregern und Schadinsekten.

Die Früchte der Kiefer, die Zapfen, sind eine wichtige Nahrungsquelle für viele Waldbewohner. Eichhörnchen, Vögel und kleine Nagetiere ernähren sich von den nahrhaften Samen, die in den Zapfen verborgen sind. Auch einige Insektenarten profitieren von den Kiefern, indem sie in der Rinde und den Nadeln leben und sich dort vermehren.

Das Holz der Kiefer ist aufgrund seiner Festigkeit und Vielseitigkeit sehr geschätzt. Es wird in der Bauindustrie, zur Herstellung von Möbeln und zur Papierherstellung verwendet. Zudem wird Kiefernholz oft als Brennholz genutzt, da es gut brennt und eine angenehme Wärme abgibt.

Lärche

Die Gallier nannten diesen seltsamen Nadelbaum, der erst im sommerlichen Frischgrün erstrahlt und im Herbst goldgelb leuchtet, um schließlich nach nur kurzer Zeit als einziger seiner Gattung alle Nadeln verliert und kahl dasteht, Larix.

Innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes ist die Lärche eine wichtige Mischbaumart, die zur Anreicherung und Stabilisierung fichtenreicher Bestände beiträgt. Als Pionierbaumart spielt sie eine wesentliche Rolle bei der Wiederbewaldung von Katastrophenflächen, wie z.B. nach Stürmen oder Bränden. An der Waldgrenze dient sie als wichtige Schutzwaldbaumart, die das Eindringen von Lawinen und Erdrutschen verhindert.

Bei zunehmender Erwärmung und Reduktion der Niederschläge hat die Lärche eine schwierige Zukunft: sie bevorzugt nämlich kühle, feuchte Standorte und hat Schwierigkeiten, in warmen, trockenen Gebieten zu gedeihen. Dennoch trägt sie in Mischbeständen zur Stabilität und Resilienz des Waldes bei.

Das Holz der Lärche ist äußerst robust und widerstandsfähig gegen Fäulnis, was es zu einem bevorzugten Material für den Außenbau, wie z.B. für Fassadenverkleidungen und Terrassen, macht. Das Harz der Lärche wird seit Jahrhunderten für medizinische und industrielle Zwecke verwendet.

Tanne

Die dritthäufigsten Nadelbäume in unseren Wäldern (nach Fichte und Kiefer) wachsen sehr aufrecht, ihre Seitentriebe verzweigen sich wie Etagen. Der Stamm ist gerade, die Pfahlwurzel reicht tief ins Erdreich, was die Tanne sturm- und trockenresistenter als die Fichte macht.

Die Tanne ist hervorragend geeignet, um unter vorwachsenden Pionierbaumarten gepflanzt zu werden, da sie auch mit wenig Licht auskommen kann. Diese Fähigkeit macht sie besonders wertvoll in Mischwäldern, wo sie im Schatten anderer Bäume gedeihen kann, bis sie selbst groß genug ist, um in das Kronendach aufzusteigen.

Die tiefen Wurzeln helfen der Tanne, auch in trockenen Perioden Wasser zu finden, und ihre flexible Struktur ermöglicht es ihr, Stürme besser zu überstehen. Diese Eigenschaften machen sie zu einer widerstandsfähigen und stabilen Baumart in unseren Wäldern.

Trotz ihrer vielen Vorteile hat die Weißtanne auch einige Schwächen. Sie ist sehr anfällig für Wildverbiss, was bedeutet, dass junge Tannen oft von Wildtieren gefressen werden und Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Zudem reagiert sie empfindlich auf Schadstoffbelastungen und ist nur bedingt für die Aufforstung von Kahlflächen geeignet, da sie Schutz durch andere Baumarten benötigt, um optimal zu wachsen.

Unser Tipp: Rinden spüren!

Die Baumrinden im Naturpark bieten eine vielfältige Palette an Texturen und Oberflächen. Die Rinde der Eiche ist grob und tief gefurcht, während die des Ahorns glatt oder rissig sein kann. Die Kiefernrinde ist rau und schuppig, während die der Lärche dick und gefurcht ist. Die Tannenrinde variiert von glatt bis leicht rau.

In den nächsten Gehminuten werden Sie all diesen Baumarten begegnen. Versuchen Sie einmal etwas aus: Gehen Sie zu einem Baum, machen Sie die Augen zu und versuchen Sie, ihn zu spüren. Merken Sie die raue Textur? Erkennen Sie nur an der Rinde, welcher Baum es sein könnte? Machen Sie die Augen wieder auf und schauen Sie nach oben. Hatten Sie recht? Diese sinnliche Erfahrung hilft Ihnen, eine tiefere Verbindung zum Wald und seinen Bewohnern herzustellen. Genießen Sie die Entdeckungsreise und lassen Sie sich von der Natur verzaubern!